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Die Innenpolitik

Die Geschichte

Nicaragua - Innenpolitik

Staatsaufbau

Nicaragua ist traditionell ein Zentralstaat. Die 15 Provinzen (Departamentos) sind reine Verwaltungseinheiten. Nur die beiden autonomen Atlantikgebiete haben aufgrund ihrer historischen und ethnischen Besonderheit ein Eigengewicht (Autonomierat als Legislative und Gouverneur als Exekutive).

Nicaragua ist eine Präsidialdemokratie mit Ein-Kammer-Parlament (Nationalversammlung). In der Verfassung sind die Prinzipien der Volkssouveränität, der Gewaltenteilung sowie der Gemeindeautonomie verankert. Die Verfassungsrealität wird jedoch durch historisch bedingte Demokratie-Defizite der beiden großen Parteien (PLC und FSLN), anhaltende politische Polarisierung, traditionelle Familien- und Freundschaftsbande und ein relativ schwaches Justizwesen gekennzeichnet.

Die Verfassungsentwicklung Nicaragauas seit den Dreißiger Jahren bis zur Sandinistischen Revolution von 1979 wurde durch die kaum verhüllte Diktatur der rechten Somoza-Dynastie geprägt. Seit 1979 entwickelte sich Nicaragua unter den Sandinisten dann zu einem Staat, in dem wiederum nur eine Partei, die FSLN, eine hegemoniale Rolle spielte. Staat und Partei wurden miteinander vermischt, Polizei und Armee nannten sich sandinistisch.

Seit Anfang 1990, mit dem Regierungsantritt der frei gewählten Regierung unter Violeta de Chamorro, wurden diese Organe, die bis dahin parteilich ausgerichtet waren, zunehmend zu normalen Organen der Staatsgewalt. Die Armee wurde von ca. 80.000 Mann auf unter 15.000 Mann abgerüstet. Die Stärke der Polizei beträgt ca. 7.000 Mann.

1995 wurde die sandinistische Verfassung von 1987 revidiert. Im Jahr 2000 wurde die Verfassung erneut im Rahmen eines stark kritisierten "Politischen Paktes" zwischen der Liberalen Regierungsallianz des damaligen Präsidenten Arnoldo Alemán und der von Daniel Ortega geführten sandinistischen Opposition mit dem Ziel geändert, die Vorherrschaft der von diesen beiden „Caudillos" autoritär geführten großen Parteien (PLC und FSLN) auf Dauer zu zementieren.

Wahlen im November 2001

Bei den nationalen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 04.11.2001 gewannen die Liberalen unter ihrem Präsidentschaftskandidaten Enrique Bolaños über 56%, die Sandinisten unter Daniel Ortega dagegen nur gut 42% der Stimmen. Präsident Bolaños wurde zusammen mit dem Vizepräsidenten Dr. José Rizo am 10.01.2002 in sein Amt eingeführt.

Präsident Bolaños hat tiefgreifende Reformen zur Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit (Korruptionsbekämpfung) und zur Konsolidierung der Demokratie (insbesondere Änderung des Wahlgesetzes sowie der Politisierung der Obersten Staatsorgane durch den ‘Pacto Político’) in die Wege geleitet. Sein hoher Wahlsieg kann als entsprechendes Mandat einer breiten Bevölkerungsmehrheit interpretiert werden. Bei der Durchführung dieser Wahlversprechen sieht er sich allerdings einer Mehrheit der von Arnoldo Alemán und Daniel Ortega beherrschten Nationalversammlung gegenüber.

Aktuelle innenpolitische Entwicklung

Am 07.08.2002 erhob Präsident Bolaños gegen den Parlamentspräsidenten und früheren Staatspräsidenten Arnoldo Alemán öffentlich Anklage wegen Geldwäsche und Unterschlagung von rd. 100 Mio. USD, worauf die Nationalversammlung am 19.09.2002 Alemán als Parlamentspräsident absetzte. Nachdem am 12.12.02 auch noch Alemáns parlamentarische Immunität aufgehoben worden war, wurde er am 22.12.02 in einem als historisch geltenden Gerichtsurteil der Korruption, Geldwäsche, Unterschlagung und Veruntreuung für schuldig befunden. Seitdem befindet sich Alemán – bis zum endgültigen Abschluss des Verfahrens – in Haft.

Präsident Bolaños sieht sich einem dringenden Reformbedarf gegenüber:

  • bei der Staatsreform,- insbesondere bei der Stärkung der Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Transparenz, Korruptionsbekämpfung und Dezentralisierung Vordringliche Aufgaben sind eine Wahlrechts- und Justizreform sowie Fortschritte bei der Lösung der Eigentumsproblematik (Rückgabe bzw. Entschädigung der von den Sandinisten konfiszierten Grundstücke als Voraussetzung für mehr Investitionen); sowie die Stärkung der öffentlichen Verwaltung und der Polizei (Verbrechensbekämpfung);
  • bei der Armutsbekämpfung, bei der Partizipation der Zivilgesellschaft am Entwicklungsprozess und beim Umweltschutz. Im Bildungs- und Gesundheitswesen besteht angesichts des sehr schnellen Bevölkerungswachstums vor allem für die ärmsten Bevölkerungsschichten dringender Handlungsbedarf.

Das Jahr 2006 ist in Nicaragua – wie in vielen Ländern Lateinamerikas – Wahljahr. Am 5. November 2006 wählen die Nicaraguaner ihren neuen Präsidenten sowie die Abgeordneten der Asamblea Nacional. Seit Jahresbeginn betreiben Parteien und Kandidaten zunehmend intensiv Wahlkampf.

Viele Nicaraguaner und Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft befürchten, dass es in Vorbereitung und Durchführung der Wahlen zu Unregelmäßigkeiten kommen könnte. Vor diesem Hintergrund haben die Europäische Union sowie die Organisation der Amerikanischen Staaten Wahlbeobachter nach Nicaragua entsandt.

Der am 04.11.2001 gewählte amtierende Präsident Enrique Bolaños tritt nicht zu den Wahlen an. Neun Monate vor der Wahl zeichnet sich ab, dass vier politische Kräfte das Rennen um die Präsidentschaft unter sich austragen werden. Daniel Ortega kandidiert zum fünften Mail seit 1990 für die Sandinistische Partei. José Rizo, ehemaliger Vizepräsident der Regierung Bolaños, tritt für die Partido Liberal Constitucionalista an. Eduardo Montealegre ist der Kandidat der liberalen Reformbewegung Alianza Liberal Nicaragüense. Und Edmundo Jarquín, Nachfolger des im Juli verstorbenen Herty Lewites, tritt für die sandinistisch geprägte Reformbewegung MRS an.

Die sandinistische Partei sowie die PLC haben in den vergangenen Jahren bei vielen Nicaraguanernan Vertrauen verloren. Ursache ist, dass sie sich zu einem politischen Pakt zusammengeschlossen haben, der die Arbeit der Regierung sowie das institutionelle Gleichgewicht in Nicaragua in jüngster Zeit immer wieder erheblich gestört hat.

Besonders dramatisch hatte sich das im Herbst 2005 ausgewirkt. Anfang Oktober hatte sich der Konflikt zwischen den das Parlament kontrollierenden Pacto-Parteien und der Regierung um eine umstrittene Verfassungsreform so weit zugespitzt, dass eine Aufhebung der Immunität des Präsidenten Bolaños drohte. Erst eine Vermittlung durch den Sondergesandten der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS), Dante Caputo, Proteste der Europäischen Union sowie starker Druck des Außenministeriums der USA hatten eine gewisse Entspannung der Lage bewirkt. Folge war, dass das Inkrafttreten der Verfassungsreformen auf den Januar 2007 – also bis nach den Präsidentschaftswahlen – verschoben wurde.

Menschenrechte

Sämtliche Regierungen seit 1990 bekennen sich uneingeschränkt zu den Menschenrechten. Systematische Menschenrechtsverletzungen durch nicaraguanische Behörden sind nicht zu beobachten. Menschenrechtsorganisationen können weitgehend ungehindert arbeiten. Die hohe Armut im Lande wird von manchen (rechtssystematisch zweifelhaft, aber sachlich zutreffend) als Verletzung der sozialen Grundrechte auf ausreichend Ernährung, Erziehung, Gesundheit und persönliche Entfaltung gewertet. Besorgniserregend ist die soziale Schutzlosigkeit der vielen Straßenkinder.

Quelle: Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland

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