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Die Baumschule

Die BaumschuleIntegrierte, ökologische Land- und Forstwirtschaft
Die Baumschule und das Projekt "Chonco".

Nicaragua ist ein Land der landwirtschaftlichen Produktion. Die Hälfte seiner Bevölkerung ist auf der pazifischen Ebene konzentriert, wo sich die fruchtbarsten Böden des Landes befinden. In dieser Region wurde in den Jahren von 1945 bis 1990 Baumwolle als Monokultur angebaut. Im Jahr 1977 erreichte die Anbaufläche 210 000 Hektar. Die Bodenqualität verschlechterte sich zusehends durch Erosion mit Verlusten von bis zu 80 Tonnen Boden pro Hektar im Jahr. Der enorm hohe Einsatz von Pestiziden führte zu einer 8fach höheren Resistenz der Schädlinge als in anderen Ländern Mittelamerikas. In jener Zeit wurden vermehrt Bäume abgeholzt, weil sie die Besprühung der Baumwollpflanzungen durch Flugzeuge störten. Auf dem Land lag der Anteil von DDT in der Muttermilch bei 92 ppm.

In dem Projektgebiet leben viele landlose Kleinbauern, die sich mit Mais- und Bohnen-Anbau beschäftigen. Viele von ihnen sind ehemalige Landarbeiter mit sehr geringem Einkommen. Das Einkommen entspricht 300,- US-$ jährlich pro Familie. Aus Bedürftigkeit und Unwissenheit haben sie die natürlichen Ressourcen der Region genutzt und geschädigt: Abholzen und Verbrennen der Vegetation, Erosion der anfälligen Böden, Veränderung des hydrologischen Zyklus und Aussterben der wildlebenden Tiere. Die Verminderung der allgemeinen Produktion ist bemerkbar und die Erosionseffekte haben sich auf die Ebene bis an die Küste hin erweitert.

Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, wurde ab 1993 eine städtische Baumschule eingerichtet und mit Schritten zur Wiederaufforstung in der Umgebung Chinandegas begonnen. Die Organisation "Pikin Guerrero" entwickelte das Projekt "Chonco". Die an den Hängen des Vulkans Chonco lebenden Bauern und ihre Familien erhalten Schulungen in nachhaltiger Landwirtschaft und ökologischer Produktion sowie in Wiedraufforstung und dem Schutz der Wälder. Diese Maßnahmen werden seit 1993 von Leverkusen und seit 1995 von der spanischen Partnerstadt Molins de Rei unterstützt.

Das Projektgebiet umfasst ein Areal von 9000 Hektar; in dem Gebiet leben 1302 Bauernfamilien, das heisst rund 7000 Menschen. Inzwischen erhielten insgesamt 18 Modellbauernhöfe Schulungen, technische Betreuung und praktische Unterstützung bei Wiederaufforstung, ökologischem Landbau, Diversifizierung der Anbauprodukte und Maßnahmen zum Schutz vor Bodenerosion. Unterstützer waren dabei die Organisation "Pikin Guerrero", das Umweltamt der Bürgermeisterei und StudentInnen der Landwirtschaftstechnik der Autonomen Volkshochschule Chinandegas (UACH). Baumsetzlinge verschiedener Art sowie Saatgut und Pflanzen bekamen sie von der städtischen Baumschule. Diese organisierte auch "Ökologische Brigaden" mit SchülerInnen aus Chinandegas weiterführenden Schulen, die sowohl an Aktionen zur Aufforstung teilnahmen, als auch auf den Modellbauernhöfen praktisch eingesetzt wurden.

Die Ergebnisse auf diesen Modellbauernhöfen waren sehr positiv: Die Bauern hatten in ihrem Anbaugebiet (18,9 Hektar) für den Schutz vor Bodenerosion mit dem Anlegen von bepflanzten Wällen zum Aufhalten des Wassers entlang der Höhenlinien, "lebenden Zäunen" und Windbrechern begonnen. Insgesamt wurde eine Fläche von 10 Hektar mit Bäumen bepflanzt. Auf den Höfen selbst wurde die übliche Produktpalette wie Mais und rote Bohnen erweitert: verschiedene Bohnenarten wie Mung-Bohnen, Gandul, weiße Bohnen, Paprika, Ananas, verschiedene Obst- und Zitrusbäume bis hin zu Kaffee. Außerdem wurde auch die Haltung von Hühnern, Schweinen und Kaninchen gefördert. Das bedeutet für die Bauernfamilie, die nun wie ein kleines Landwirtschaftsunternehmen funktioniert sowohl eine bessere Versorgung mit Nahrungsmitteln als auch erhöhte Einnahmen durch den Verkauf ihrer erweiterten Produktpalette.

Auch die Situation der Frauen wird verbessert. Traditionell ist allein die Bauersfrau für den Haushalt und den "Patio" zuständig. Der Patio ist das Gelände rund um das Haus; im Schnitt umfaßt es 0,02 bis 1,8 Hektar. Durch die bessere Nutzung des Patios erhöhen die Frauen in substantieller Weise das familiäre Einkommen und gewinnen damit auch größeres Selbstbewusstsein und Einfluss innerhalb der Familie.

Auch in diesem Projekt hat Mitch große Zerstörungen hinterlassen und vieles muss mühsam wieder angepflanzt werden. Er offenbarte nochmals die Dringlichkeit von Wiederaufforstung und Bodenschutz gerade an den Hängen der Vulkane Chinandegas, die sonst der dort lebenden Bevölkerung zur tödlichen Falle werden.

Dieser Bericht wurde am 24.02.2005 hinzugefügt.

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